120 Jahre Liedertafel Zell am See

zur Bildergallery >>>

120 Jahre Liedertafel Zell am See,
unter diesem Motto fand am Samstag den 11. Mai 2002 im großen Saal des Romantikhotels Metzgerwirt in Zell am See ein musikalischer Abend zum JubilĂ€um des seit 1882 bestehenden Gesangvereines statt. Bei vollem Haus gaben die „Liedertafel Zell am See", der niederlĂ€ndische Chor "Zwolle" und ein Chor aus dem Nachbarland Deutschland der "MGV SĂ€ngerlust St. Augustin" besondere GustostĂŒckerln zum Besten.

Die Liedertafel Zell am See, unter der Leitung von Mag. Dietmar Hufnagl, eröffnete den Abend mit dem Lied „Wem bring' ich wohl das erste Glas" ‑ein passendes Motto. Wilhelm Wörgötter fĂŒhrte durch das Programm und die Pongauer Formation „der Berg" als Trio ließen die Zeit wie im Nu verstreichen.

Ein besonderer Höhepunkt waren verschiedene Ehrungen. Peter Haitzmann sen. wurde zum Ehrenmitglied der Liedertafel Zell am See ernannt und Hans Fuchs sen. wurde die Dankesurkunde ĂŒberreicht. Beide SangesbrĂŒder waren ĂŒber 40 Jahre aktive Mitglieder des MĂ€nnerchores. Bann. Dr. Georg Maltschnig ĂŒberreichte beiden die Silberne Kultur‑ und Brauchtumsmedaille der Stadt Zell am See und der PrĂ€sident des Salzburger Chorverbandes, Hans Peter Lugstein, ĂŒberreichte die Goldene Lyra des Österreichischen SĂ€ngerbundes.

Dank perfekter Organisation des Obmannes Ferry Steibl endet gegen 23 Uhr ein gelungenes Fest, oder doch nicht? Nein! Wo gesungen wird, geht man nicht gleich nach Hause. So auch an diesem Abend.
Bis nach 2 Uhr frĂŒh wurde „Gesungen und Gelacht" bei immerhin noch halbvollem Saal.

1882 gegrĂŒndet 

In all diesen Jahren konnte man nachweislich große Einsatzfreude, viel Idealismus und eine bemerkenswerte AktivitĂ€t bescheinigen. Laut Mitgliederbuch sind es bis dato 490 SangesbrĂŒder, die aktiv waren. Nach dem Willen der GrĂŒnder pflegt man den Grundsatz: „Einigung in Musik und Geselligkeit!"

Die Liedertafel Zell am See bemĂŒhte sich immer, das Kunstlied in vielen Formen und aus verschiedenen Zeiten, aber auch das heimische Volkslied zu pflegen und freundschaftliche Bande mit Gleichgesinnten zu knĂŒpfen, wie viele SĂ€ngerfahrten und SĂ€ngerbesuche beweisen. Dabei war es dem MĂ€nnerchor ein echtes Anliegen, immer und in vielfacher Form dabei zu sein, wenn es galt, am kulturellen Leben unserer Bergstadt mitzuwirken.

Zu allen Zeiten war der Verein sehr reiselustig. Besonders in den letzten Jahrzehnten war es möglich, hervorragende Bildungsreisen mit erstrangigen KulturstĂ€tten, wie Knossos, Athen, Rom, Pompej, Karthago, Ephesus, Istanbul, Granada, Florenz, Marokko, Sizilien, Tunesien, Elsass, TĂŒrkei, Ungarn, Deutschland, Portugal, Finnland, Russland, Slovenien, Spanien und viele andere zu veranstalten.

Somit wurde den SĂ€ngern wertvolles Kulturgut direkt vermittelt; jedoch auch die eigene Heimat bei zahlreichen SĂ€ngerfahrten bereist und liebgewonnen. Momentan zĂ€hlt man 68 aktive (inklusive 3 Ehrenmitglieder), sangeskrĂ€ftige MĂ€nner in der Liedertafel Zell am See. Diesen hohen Idealismus einer musikbegeisterten Gemeinschaft zwischen alter) und junger) mit Stolz und WĂŒrde weiterzutragen, hat sich der Chorleiter Mag. Dietmar Hufnagl, der Obmann Ferry Steibl und jedes Vorstandsmitglied zur Aufgabe gemacht.

Es hinterblieb tiefer Eindruck 

Am 19. Juni 1880 veranstalteten mehrere Gesangsvereine aus Salzburg einen Ausflug nach Zell am See. Als der Sonderzug am Bahnhof eintraf, wurden die SĂ€nger von den Zellern lebhaft begrĂŒĂŸt. BĂŒrgermeister Fill empfing in Begleitung der BĂŒrgermusik, der Beamtenschaft und der Frauen in Tracht die GĂ€ste, denen aus der Bevölkerung ein dreifaches Hoch entgegendröhnte. Die SĂ€nger erwiderten mit ihrem Chormotto: „Im deutschen Schwert und deutschem Sang, ruht echte Kraft und guter Klang!" Durch eine Triumphpforte begab sich dann der festliche Zug, angefĂŒhrt von der BĂŒrgerkapelle, den FĂ€hnrichen und den Hornwarten, zum Marktplatz. In den Fenstern der HĂ€user waren die Frauen von Zell postiert und aus allen Luken

lachten MĂ€dchen, in heimischer Tracht gekleidet, heraus. Auf ein gegebenes Zeichen ĂŒberschĂŒtteten sie die FestgĂ€ste mit einem unerhörten Hagel von Blumen und aus einem großen FĂŒllhorn ergoss sich ein BlĂŒtenschnee ĂŒber die SĂ€nger. Der Jubel wurde unbeschreiblich. Nach rauschenden Chören und lieblichen Liedern fuhren die GĂ€ste in die Restauration Bachler (heute Hotel Bellevue), wo der beste Ausblick auf die schneebedeckten Berge war. Am Abend gab es in der Glashalle des Hotel Elisabeth ein Konzert. Die Halle war gegen das Wasser hin geöffnet und bei den GesĂ€ngen, die sich vorwiegend auf den See bezogen, gerieten die Zeller in helle Begeisterung. Dann flammten am Ufer die langen Reihen der Freudenfeuer auf und kurz nach Mitternacht ging damals eine Gruppe von bergbegeisterten SĂ€ngern Ios, die Schmittenhöhe zu ersteigen; sie wollte den Sonnenaufgang auf der Bergeshöhe erleben. Dieses Fest hinterließ bei vielen Zellern einen derart tiefen Eindruck, dass der Wunsch erwachte, selbst eine Chorvereinigung ins Leben zu rufen, was nach mehreren AnlĂ€ufen auch tatsĂ€chlich gelang. Über Anregung des Advokaten und des spĂ€teren BĂŒrgermeisters des Marktes, Dr. Josef MĂŒller, wurde durch ein Rundschreiben fĂŒr Sonntag, den 12. 11. 1882 eine Zusammenkunft anberaumt. Der Zweck dieser Versammlung war die GrĂŒndung der

„Liedertafel Zell am See "

 

Bericht von Markus Feichtner